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12.07.2005 es geht los
da steht es nun, das d-log. ein logbuch der gedanken zum thema design im weitesten sinne, die auftauchen und verschwinden ohne artikuliert worden zu sein. oft tauchen sie nach einigen monaten in irgendeinem magazin auf und ich bin gezwungen zu denken: so subjektiv war diese oder jene beobachtung wohl doch nicht. deshalb soll dieses logbuch all die kleinen gedanken und grossen theorien versammeln.
vorerst bleibt es noch einseitig, wiewohl ihr gerne dazu beitragen könnt, indem ihr eure einträge per mail schickt (contact, siehe rechts...)
vielleicht wird bald ein echtes blog daraus.
15.7.2005 design durch den filter
atemlos stehen wir vor der exponentiellen zunahme der tools in unseren cad-programmen. aus den helferlein sind längst komplexe gebilde mit einem veritablen eigenleben geworden. die arbeit mit dem computer erfordert ständiges bremsen, will man den eigenen gedanken folgen und nicht den möglichkeiten der maschine. die lösung liegt nahe: lasst uns filter in die programme einbauen, die bestimmte funktionen und parameter sperren. zwecks einfacherer verständlichkeit sollten die filter nach bekannten designern benannt werden. da wäre zum beispiel der r...-filter. er erlaubt keine winkel ausser 90°. oder der s...-filter, der alles sperrt außer kreis- und rechteckwerkzeug. es sieht alles zu steif aus? kein problem! ladet euch das neue f...-filter plugin runter und stellt den ablutschparameter auuf 50 % et voilà: so einfach geht spaciges design. oder nehmt den g...-filter für subtile transparenzeffekte auf mausklick.
design kann so einfach sein.
12.07.2005 pat und patachon sind unter uns
früher als ich noch fernsah gab es da immer diese typen, im schatten von dick und doof (die man auf dem schulhof - unbedingt! - stan und olli nennen musste) den langen dünne und den kleinen, ihr wisst schon, pat und patachon. sie sind wieder unter uns. massenhaft, camoufliert als graue männer, meist in anzug und krawatte, ersterer hängt gerne auch über dem rücksitzt an einem dieser verchromten kopfstützenmontierten klamottenhalter. die beiden haben offensichtlich lukrative werbeverträge mit der premium-autoindustrie.
pat - oder patachon - legt mich nicht darauf fest, jedenfalls der kleine, der fährt bmw. die fahrer eines aktuellen 5er und besonders 7er bmw sind immer zu klein! es ist die schiere wucht, die unbändige, recht erfolgreich als dynamik getarnte masse ihrer fahrzeuge, die sie klein macht. in einem bmw sieht jeder fahrer aus, als klemme er wie in der ersten fahrstunde hinterm lenkrad, über welches er überdies kaum drübersehen kann. es ist diese bmw-sicke, diese kräftige hohlkehle unterhalb der fenster, eine schwelle in kinnhöhe. dazu kommt die länge des wagens. das vordere seitenfenster scheint eine spur zu lang, die b-säule einewinzigkeit zu weit hinten.
der andere, der lange dünne, fährt mercedes-benz, vorzugsweise diesen langen, springend gewölbten, hyperdynamischen sl-irgendwas. dessen auf dem papier so locker hingeworfene dachlinie ihn zwingt, ständig den kopf einzuziehen. der rücken scheint so krumm wie alles an diesem fahrzeug und das gesässs beständig nach vorne abrutschend.
andere spezies bewohnen einen beetle wie ein aquarium an dessen frontscheibe sie sich nicht herantrauen und dann gibt es noch die smartfahrer, die aussehen als habe ihr eigener rucksack sie verspeist...
wer prüft eigentlich, ob den leuten ihr vehikel steht?
nein, danke zu weit, lieber eine nummer kleiner...
warum tragen so viele menschen ihr auto baggy? 12.07.2005 delikatess leberwurst
was ist design für ein wort? ein aufschrei. das schrillste, grellste, hässlichste trägt immer das label design, den gegenpol bildet wohl classic als etikett des konventionellen mutlosen. design teil dieses traurige marktschreierische dasein mit so wunderbaren wörtern wie delikatess im lebensmittelsektor, mit dem grundsätzlich das produkt des untren marktsegments belabelt zu werden scheint. design ist ein degenerierter begriff, ein durch massenhaften gebrauch stumpf gewordenes verbalmesser wie: qualität(s), pur, usw.
was machen wir nun daraus? rückeroberung, reanimation oder ab damit auf den müllhaufen der sprache,in der hoffnung auf eine renaissance - irgendwann. aber, nachhaltig geht anders. oder unternehmen wir den versuch der substitution? denken wir uns doch ein anderes wort für das was wir tun aus, einen schönen klang hat design nicht. nehmen wir das risiko in kauf, nicht verstanden zu werden - werden wir heute überhaupt verstanden? für die einen ist design ein schimpfwort für das als kalt empfundene, sagen wir nicht moderne, sagen wir...wie wäre es mit pur... (in amerika hörte ich einmal den entsetzten ausruf: oh no, thats euro-design!) jedenfalls schrill und irgendwie nicht richtig "embedded", sondern scharfkantig und unfunktional. die anderen sind in ihrere ansicht weniger kunsthistorisch orientiert, sie folgen dem anschein und sehen: design ist aufwändig und immer zwei bis drei euro teurer (geht mal in den baumarkt), für die sind wir steigbügelhalter der abzocke. auch wenn´s weh tut, seien wir ehrlich: öfter trifft das zu.
es bleibt nur die ochsentour. nicht den namen ändern, einen besseren haben wir nicht. sondern geduldig erklären, oder es einfach vergessen. ja wir sind designer, wir produzieren müll, ihr habt es immer gewusst. erst wenn ihr euch die mühe macht genauer hin zu sehen, würdet ihr einige überraschungen erleben.
sich nicht zu kommunizieren ist heute auch ein zeichen von unabhängigkeit. und die wollen wir doch, oder? |
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